Preußen : Bismarck. Eine Biographie. FOCUS Edition Band 3

Bismarck. Eine Biographie. FOCUS Edition Band 3

EUR 4,90


für den Laien enttäuschend - Für den Historiker mag das Buch hilfreich und interessant sein, für den interessierten Laien gilt dies nicht. Der Schreibstil wirkt antiquiert und unnötig kompliziert, Gesamtzusammenhänge sind vielfach kaum/nicht nachvollziehbar. Ich wollte die Person Bismarck näher kennenlernen und fand mich in meinen alten Schulbüchern wieder. Da ich diese heute nicht mehr lesen muss, habe ich das Buch nach 100 Seiten zur Seite gelegt.

Außenpolitik - Rainer F. Schmidt ist Professor für Geschichte an der Universität Würzburg. Betrachtet man sich seine Veröffentlichungen und auch sein Vorlesungsangebot, so kann man zwei Schwerpunkte seiner Arbeit feststellen: Zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts und Nationalsozialismus. Im Rahmen des ersten Schwerpunktes ist wohl auch die Arbeit über Bismarck entstanden, die hier im Rahmen der Focus-Edition als preiswerte Ausgabe vorliegt.Die Biographie trägt den Untertitel Realpolitik und Revolution und beleuchtet tatsächlich das ganze Leben Bismarcks.Es war dies ein langes,meist, aber nicht immer erfolgreiches politisches Leben. So werden von Schmidt die politschen Anfänge und die nach wildem Studentendasein pietistische und preußisch-konservativen Orientierungen Bismarcks sehr gut lesbar und transparent herausgearbeitet.Auch und vor allem die Zeit als preußischer Gesandter beim Deutschen Bund in Frankfurt und als Ministerpräsident von Preußen werden gut herausgearbeitet.Weniger zu loben ist hingegen die Beschreibung der Reichsgründung und vor allem die Darstellung der innenpolitischen Ereignisse zu Anfang des Kaiserreiches. Der Focus Schmidts liegt hier fast ausschließlich auf der Außenpolitik - die Darstellung wird dabei teilweise so professoral detailverliebt, dass man vergeblich den roten Faden außerhalb der Ereignisgeschichte sucht. Eine stärker deduzierende Darstellung wäre hier sowohl im wissenschaftlichen als auch im populären Sinne zu wünschen.Irgendwann werden Kulturkampf und Sozialistengesetz nachgeschoben, ohne dass eine systematische Einbettung erfolgt. Ausgesprochen gut gelingt Schmidt hingegen wieder die Darstellung der letzten Regierungs- und Lebensjahre Bismarcks - vor allem die Person wird hier transparent gemacht. Auch der Mythos Bismarck, der in dessen hohen Alter entstand wird beleuchtet.Alles in allem lässt diese Biographie einen zwiespältigen Eindruck zurück: Anekdotenhaft und unterhaltsam in bezug auf Bismarcks persönliche Vita, stark und kenntnisreich in der Darstellung der außenpolitischen Verstrickungen, eher mäßig in der Beschreibung des Kaiserreiches.

Virtuose der Macht - Nach der immer noch unübertroffenen Werk Lothar Galls Bismarck. Der weiße Revolutionär, das sich aber eher an ein Fachpublikum wendet, hat nun der Historiker Rainer F. Schmidt eine Bismarck-Biographie vorgelegt. Schmidt zeigt in aller Kürze die entscheidenden Phasen im Leben des eisernen Kanzlers auf - seine politische Sozialisiation, seine Arbeit als preußischer Gesandter am Bundestag in Frankfurt, seine Bestellung zum Ministerpräsidenten auf dem Höhepunkt des Verfassungskonflikts, seine Einigungskriege gegen Dänemark, Österreich und Frankreich, seine Bemühungen im Lichte eines cauchemar des coalitions mit einem System der Aushilfen einen Zweifrontenkrieg Deutschlands zu vermeiden, seine auf wechselnde Koaltionspartner setzende, Liberale, Kathholiken und Sozialdemokraten ausgrenzende Innenpolitik, seine Entlassung. In einem Schlusskapitel beleuchtet Schmidt Mythos und Macht des Alten vom Sachsenwald, dessen Verehrung in Deutschland bald quasireligiöse Züge annahm. Schmidt gelingt es, das Spannungsverhältnis zwischen außenpolitischer Orientierung, die im Zweifelsfalle für Bismarck Vorrang hatte, und innenpolitischen Bedingungen aufzuzeigen. An die Ergebnisse der Bismarck-Forschung anknüpfend zeigt er die bonapartistischen Züge der Politik des Kanzlers auf, die ihn von seinen ehemaligen, hochkonservativen Unterstützern unterschieden. Bezeichnenderweise lautet der Untertitel des Buches auch Realpolitik und Revolution. Dabei verzichtet Schmidt bei aller Anerkennung der intellektuellen und politischen Fähigkeiten Bismarcks sowie seiner Verdienste nicht darauf, die Schattenseiten seines Charakters (und - allerdings weniger - seiner Politik) aufzuzeigen: Seine persönliche Unverträglichkeit, die Verunglimpfung und Verhöhnung seiner Gegner, etc. Ein Aspekt hätte meiner Ansicht nach noch eingehender behandelt werden können: Ein Vergleich Bismarcks mit Napoleon III., dessen Außen- und Innenpolitik sich prägend auf diejenige Bismarcks auswirkte: Hier hätten neben den Gemeinsamkeiten auch die Unterschiede eingehender dargestellt werden können. So konnte der letztlich durch den Legitimismus seines Monarchen gestützte Bismarck nach Erreichen seiner außenpolitischen Ziele mäßigend auf die internationale europäische Politik einwirken, während sich Napoleon III. seine Stellung als Kaiser durch immer neue außenpolitische Erfolge legitimieren musste.




Bismarck. Eine Biographie. FOCUS Edition Band 3